Durch Heizungsmodernisierungen und Verbesserungen der Gebäudehülle lässt sich der Verbrauch fossiler Energien in Wohngebäuden deutlich verringern. Eine weitere gute Option ist es, in die effiziente Heizungstechnik bereits verfügbare erneuerbare Energien einzubinden: Regenerativ erzeugter Strom etwa  lässt sich nach dem Prinzip "Power-to-Heat" zum Heizen nutzen. 

Sektorkopplung ohne großen Aufwand

Hybridsysteme auf Heizölbasis eröffnen eine gute Möglichkeit, ansonsten abgeregelten Strom aus Windkraft- und Photovoltaikanlagen zum Heizen zu nutzen – ganz im Sinne der Sektorkopplung von Strom- und Wärmemarkt. 

Der Einsatz von Power-to-Heat in ölbasierten Hybridsystemen bietet viele Vorteile:

  • Der Heizölverbrauch sinkt weiter.
  • Der Anteil der erneuerbaren Energien in der Wärmeversorgung steigt.
  • Die Stromnetze werden stabilisiert.
  • Es werden keine Reserve-Kraftwerke benötigt, da die Ölheizung bei kalter Dunkelflaute zuverlässig die Wärmeversorgung übernimmt. 
  • Die Mehrkosten zur Installation der notwendigen Technik fallen speziell im Rahmen einer Heizungsmodernisierung gering aus.

Damit diese diese Lösung massentauglich wird, ist auch der Gesetzgeber gefragt, denn eine Reduzierung von Umlagen und Entgelten auf ansonsten abgeregelten Strom ist eine wichtige Voraussetzung. 

Vielfältige Anwendungsmöglichkeiten

Der Vorteil Power-to-Heat-fähiger Hybridheizungen besteht auch in der Vielfalt der Anwendungsmöglichkeiten. Das zeigen Praxisbeispiele aus aktuellen Modellvorhaben.

1. Intelligente Kopplung mit Windstromerzeugung

Windkraftanlagen müssen häufig aufgrund von Netzengpässen abgeregelt werden. Der grüne Strom kann aber auch in Heizungsanlagen eingesetzt werden und so deren Emissionen reduzieren. Wie das geht zeigt IWO gemeinsam mit ARGE Netz, dem Bürger-Windpark Lübke-Koog und der Gemeinde Friedrich-Wilhelm-Lübke-Koog in einer Modellregion im Norden Schleswig-Holsteins. Zur Projektseite

2. Flexibilisierung der Stromnachfrage 

In Regionen mit einem sehr hohen Ökostrom-Anteil kann dieser auch zum Heizen genutzt werden: Eine hauseigene intelligente Regelung sorgt dafür, dass regional erzeugter Wind- oder Photovoltaik-Strom in der Wärmeversorgung zum Einsatz kommt. Steht kein Ökostrom zur Verfügung übernimmt die Öl-Brennwerttechnik die Versorgung. Zum "Innovationshaus Wofhagen"

3. Gezielte Nutzung des eigenen PV-Stroms

Praxistests zeigen, dass die Nutzung des Ökostroms aus der hauseigenen PV-Anlagen in ölbasierte Hybridheizungen bereits heute eine sinnvolle Option für Hausbesitzer ist. Nach dem Auslaufen der EEG-Einspeisevergütung für den Solarstrom kommt einem möglichst hohen Eigenverbrauchsanteil eine nochmals erhöhte Bedeutung zu. Zur Hybridheizung mit Öl und PV-Strom

Herausforderung Strommarkt

Mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien zur Stromerzeugung wird das Stromangebot in Deutschland immer mal wieder die Stromnachfrage oder die Transportkapazitäten im Stromnetz übersteigen. Kann der Strom nicht in das Netz integriert werden – also über entsprechende Leitungen in benachbarten Regionen oder Länder transportiert und dort verbraucht werden – muss die Stromeinspeisung zeitweise abgeregelt werden. Dieser nicht produzierte Strom sorgt dennoch für Kosten, die über die Netzentgelte von den Verbrauchern gezahlt werden müssen: Allein im Jahr 2017 waren dies rund 610 Millionen Euro.