19. Oktober 2018

"Die Energiewende braucht Technologieoffenheit"

Thomas Bareiß

Thomas Bareiß, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Wirtschaft und Energie, im Interview.

Herr Bareiß, wie sieht der ideale Energiemix der Zukunft in Deutschland aus?

Die Energiewende braucht Technologieoffenheit. Niemand fordert eine reine Elektrifizierungsstrategie. Richtig ist, dass die direkte Nutzung von Strom im Rahmen der sogenannten Sektorkopplung ein wichtiger Baustein ist, um unsere Klimaziele im Verkehrs- und Wärmesektor kostengünstig zu erreichen. Synthetische Brennstoffe spielen aber bei einem hohen klimapolitischen Ambitionsniveau eine wichtige Rolle. Sie könnten vor allem in den Bereichen gebraucht werden, die anders nur schwer dekarbonisiert werden können. Hierzu gehören beispielsweise der Luft-, See- und Schwerlastverkehr sowie bestimmte Industrieprozesse. Letztlich brauchen wir im Rahmen der Energiewende beides: die direkte Nutzung von Strom und synthetische Brennstoffe.

Power-to-Liquid und Power-to-Gas gelten als aussichtsreiche Verfahren, um erneuerbare Kraft- und Brennstoffe zu entwickeln. Was kann die Bundesregierung zur Marktreife beitragen? 

Die Bundesregierung will im Rahmen ihres 7. Energieforschungsprogramms Forschung, Entwicklung und Innovation in diesem Bereich stärken und plant mit einem neuen Förderformat „Reallabore der Energiewende“ den Technologie- und Innovationstransfer bei PtL und PtG-Technologien zu unterstützen.

Ohne die Akzeptanz der Verbraucher kann der Klimaschutz nicht gelingen. Wie können die Bürger dabei begleitet werden, die Energiewende im Gebäude- und Verkehrsbereich stärker voranzubringen?

Das ist ein ganz entscheidender Punkt. Die BMWi-Informationskampagne „Deutschland macht‘s effizient“ für private Haushalte, Unternehmen und Kommunen zeigt Problemlösungs- und Einsparmöglichkeiten auf. Bei unseren Förderprogrammen im Gebäudebereich sind eine übersichtliche, einfache Ausgestaltung und ein zügiges, unkompliziertes Antragsverfahren zentral für mich.

Die Zukunft des Weltklimas wird nicht allein in Deutschland entschieden. Wie wollen Sie die internationale Zusammenarbeit im Energiebereich ausbauen?

Wir müssen zeigen, dass Deutschland die Energiewende wirtschaftlich und versorgungssicher umsetzen kann. Ich war erst kürzlich in San Francisco beim Global Climate Action Summit sowie einer Deutsch-Kalifornischen Energiekonferenz. Es ist wichtig, dass wir bei solchen Veranstaltungen unsere Auffassungen äußern und persönliche Gespräche führen. Damit können wir viel erreichen. Darüber hinaus engagiert sich die Bundesregierung zum Beispiel in Energiepartnerschaften und der Exportinitiative Energie.

(Das Interview ist erschienen in der Beilage "Klimaschutz braucht Vielfalt" in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung am 19. Oktober 2018.)

"Klimaschutz braucht Vielfalt"

Welche Rolle spielen flüssige Energieträger – insbesondere Kraft-und Brennstoffe auf Basis erneuerbarer Energien – für Klimaschutz und Energiewende? Dieser Frage widmet sich eine aktuelle Beilage der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" vom 19. Oktober 2018, die IWO in Zusammenarbeit mit dem FAZ-Verlag erstellt hat. 

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