Wie ein Haus von 1902 die Klimaziele von morgen erfüllen kann

Das modernisierte Haus in Bastorf

Das Haus der Familie Jäniche in Bastorf an der Ostsee. Drei Familien wohnen unter einem Dach – und haben mit verschiedenen Modernisierungsschritten dem Gebäude aus dem Jahr 1902 einen deutlich kleineren ökologischen Fußabdruck verpasst. Foto: IWO

Modernisierer setzen auf Dämmung, Heizöl und Solarenergie

Ganz nah an der Ostsee steht das Mehrgenerationenhaus der Familie Jäniche. Damit ging für sie ein Traum in Erfüllung. Gemeinsam haben die Jäniches einen großen Altbau in ein ökologisches Refugium mit einer hybriden Energieversorgung für drei Familien umgebaut. In mehreren Schritten haben sie die Modernisierung vorgenommen. Heute wohnen sie in einem Haus, das mehr als 100 Jahre alt ist, aber bereits die Klimaziele von morgen erfüllt. Neben der modernen Heiztechnik haben sie auch auf eine umfangreiche Dämmung und eine zweifache Einbindung von Solarenergie gesetzt. Neueste Komponente ist eine treibhausgasreduzierte Tankfüllung, mit der die Öl-Brennwertheizung betrieben wird.

Doch so idyllisch die Lage am Meer auch ist, für die Hausbesitzer stellt sie eine Herausforderung dar. Denn hier weht oft eine steife Brise, die das auf einer kleinen Erhebung gelegene Haus besonders im Winter wie ein kalter Dauerstrom erfasst. Wer hier wohnt, weiß den Komfort einer guten Heizung zu schätzen. „Wir haben ein sehr altes Haus. Es wurde 1902 erbaut und stand, bevor wir es nach der Wende gekauft haben, auch noch sehr lange leer“, erklärt Mathias Jäniche den Grund für die Modernisierung. Gemeinsam mit seinem Bruder hat er das Haus mit einer Wohnfläche von 360 Quadratmetern zum Einzug 1992 in Eigenregie renoviert. Damals gingen sie davon aus, dass die Wärmegewinnung durch die vorhandene Heizung ausreichend sei. In den Folgejahren wurde die Heizung jedoch – trotz zwischenzeitlicher Modernisierung – zunehmend zum Kostenfaktor.

Handwerker bringt Dämmung an

Mit einer umfangreichen Dämmung hat die Familie den Energiebedarf des Hauses reduziert. Die Dämmung reicht sogar ins Erdreich hinein und schützt so noch besser vor Wärmeverlusten. Foto: IWO

Zweite Renovierung: Vom Altbau zum KfW-100-Standard

Um wirklich Heizkosten zu sparen, reichte es nicht aus, nur bei der Heizung anzusetzen. Für die Jäniches stand schnell fest, dass sie eine ganzheitliche Lösung für ihr Haus benötigten – und dass sie damit an einem Punkt anlangten, an dem ihr technisches Knowhow nicht mehr ausreichte: „Wir haben uns überlegt, wie wir am besten anfangen sollen und haben uns als erstes einen Energieberater geholt.“ Gemeinsam mit dem Energieberater haben sie dann eine Entscheidung gefällt: „Wir bauen das Haus auf KfW-100-Standard um!“ Um das zu erreichen, wurde eine lange Liste von Maßnahmen umgesetzt: Die Fenster wurden ausgetauscht und alle Außenwände erhielten eine Dämmschicht. Zusätzlich wurden das Dach und die Kellerräume gedämmt.

Solarthermieanlage wird auch dem Dach installiert

Die 11,5 Quadratmeter große Solarthermieanlage auf dem Hausdach unterstützt die moderne Öl-Brennwertheizung. Foto: IWO

Der ideale Mix: Moderner Brennwertkessel und Sonnenenergie

Parallel dazu wurde die Energieversorgung umgebaut. Die Heizung aus dem Jahr 2000 wurde durch ein modernes, zweistufiges Öl-Brennwertgerät ersetzt, das eine Energieeffizienz von bis zu 98 Prozent ermöglicht. Dem modernen Kessel stellten sie auf dem Hausdach eine Röhrenkollektoren-Solarthermieanlage mit 11,5 Quadratmetern Fläche zur Seite. Seitdem muss die Öl-Brennwertheizung nur noch dann einspringen, wenn die Sonnenenergie nicht ausreicht, um das Heizsystem zu bedienen. Später kam auch noch Photovoltaik hinzu. Das Herzstück dieses Systems befindet sich direkt neben dem Öl-Brennwertgerät im Keller des Wohnhauses. Es besteht aus zwei Wärmespeichern, die jeweils 600 Liter fassen. In ihnen wird die Energie der verschiedenen Quellen gespeichert und bei Bedarf abgegeben. Das Erhitzen des Brauchwassers geschieht durch einen Platten-Wärmeübertrager: Warmes Wasser für Küche oder Bad muss damit nicht in einem Tank vorgehalten werden, sondern wird immer ganz frisch im Durchflussverfahren erzeugt.

Mit dem Ergebnis ist Mathias Jäniche überaus zufrieden: „Durch die gesamte Modernisierung halbierte sich unser Heizölverbrauch von durchschnittlich etwa 7.000 auf 3.500 Liter pro Jahr.“ Positiver Nebeneffekt: Der geringere Öl-Verbrauch führt dazu, dass Familie Jäniche das Volumen der Öltanks im Keller deutlich reduzieren konnte. Statt der Tanks mit insgesamt 8.000 Liter Volumen reihen sich nun vier schlanke 1.000-Liter-Batterie-Tanks an einer Kellerwand auf.

Treibhausgasreduziertes Heizöl verbessert die Umweltbilanz weiter

Und auch das, was in den Tanks ist, ist nicht mehr das, was es früher war: Familie Janiche nimmt an einem Demonstrationsvorhaben vom Institut für Wärme und Mobilität (IWO) teil. Erst vor kurzem ließen sie ihre Öltanks bereits zum vierten Mal mit treibhausgasreduziertem Heizöl betanken. Der eingesetzte flüssige Energieträger wurde in erster Linie aus biogenen Reststoffen, beispielsweise Altspeisefetten, gewonnen, deren Erzeugung nicht in Konkurrenz zum Anbau von Nahrungsmitteln steht. Treibhausgasreduziertes Heizöl verbessert nicht nur noch einmal den ökologischen Fußabdruck des Gebäudes. Es eignet sich auch – das hat das Demoprojekt gezeigt – sehr gut für das vorhandene Öl-Brennwertgerät: „Vor der letzten Lieferung gab es noch einmal eine Kesselwartung und der Installateur bestätigte uns: ‚Alles einwandfrei!‘“, so Mathias Jäniche.

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