27. November 2019

Heizungsmodernisierung: Bund fördert das Abwarten

IWO-Geschäftsführer Adrian Willig. Foto: IWO

Geplante Fördermittelvergabe nicht zielführend

Die Pläne zur künftigen Förderung von Heizungsmodernisierungen sind nicht durchdacht. Ganze Landstriche drohen von der Energiewende abgehängt zu werden. Für den Klimaschutz ist das eine schlechte Nachricht.

Die Bundesregierung will den Verbrauch fossiler Brennstoffe wie Gas oder Öl reduzieren. Dafür ist der verstärkte Einsatz erneuerbarer Energien vorgesehen. Das Problem: Ein sofortiger Umstieg auf eine rein erneuerbare Wärmeversorgung ist technisch in sehr vielen Gebäuden gar nicht umsetzbar. „Eine sinnvolle Lösung sind daher Hybridsysteme, die fossile und erneuerbare Wärmegewinnung koppeln“, erklärt Adrian Willig, Geschäftsführer des Instituts für Wärme und Oeltechnik (IWO). „Doch gerade hier sollen die Förderbedingungen nun verschlechtert werden.“ Dies betrifft insbesondere Hauseigentümer, die ihre Ölheizung mit erneuerbarer Energie kombinieren wollen.

Neben Effizienzsteigerung und Hybridisierung können auch erneuerbare flüssige Energieträger zum Erreichen der Klimaziele beitragen. Bei diesem Einfamilienhaus im hessischen Wolfhagen konnten die CO2-Emissionen so um 88 Prozent gesenkt werden. Foto: IWO

„Die Bundesregierung schreibt Hauseigentümern vor, ab 2026 neue Ölheizungen mit erneuerbaren Energien zu kombinieren. Damit verteuert sie aber auch die Modernisierung. Daher wäre es sinnvoll, Eigentümer bei der Installation von Hybridsystemen zu unterstützen. Eine attraktive Förderung würde hier wichtige Anreize setzen, schon vorzeitig aktiv zu werden“, so Willig. „Wenn diese Förderung fehlt, bleiben den Menschen drei Optionen: Der ohne Fördermittel teure Einbau eines Hybridsystems, der auch mit Fördermitteln oft noch teurere Umstieg auf eine komplett neue, womöglich ungeeignete, Technologie oder die Reparatur der alten Heizanlage. Die meisten Eigentümer werden wohl abwarten und die alte Heizung so lang wie möglich laufen lassen. Damit ist dem Klimaschutz nicht gedient.“

Betroffen seien vor allem mehr als drei Millionen ölbeheizte Gebäude in ländlichen Räumen, die keine Anschlussmöglichkeiten an Fernwärme- oder Gasnetze haben. „Dort, wo die meisten Ölheizungen stehen, könnten ganze Landstriche abgehängt werden. Die geplante Fördermittelvergabe geht an den Bedürfnissen der Menschen dort und des Klimaschutzes insgesamt vorbei“, so Willig. Ebenfalls unberücksichtigt bleibe, dass Ölheizungen durch den künftigen Einsatz fortschrittlicher Biobrennstoffe oder synthetischer E-Fuels eine klimaneutrale Perspektive haben. „Die Förderpolitik der Regierung sollte daher technologieoffen gestaltet sein und darf Hybridheizungen mit Öl-Brennwerttechnik nicht ausschließen.“

IWO, 2019