HEAT-Kongress 2018 diskutiert Zukunft der Wärmeversorgung

Am 5. November fand im dbb forum in Berlin zum fünften Mal der HEAT-Kongress, ausgerichtet vom Institut für Wärme und Oeltechnik (IWO) und UNITI Bundesverband mittelständischer Mineralölunternehmen, statt. Zentrales Thema der Veranstaltung war, wie der Gebäudesektor seinen Beitrag zur Erreichung der Klimaziele 2030 und 2050 leisten kann. Die rund 150 Teilnehmer aus dem Wärmemarkt wurden mit einem Eröffnungsvortrag von Thomas Bareiß, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, eingestimmt, erlebten dann verschiedene Vorträge und zwei Podiumsdiskussionen mit Vertretern aus Politik und Verbänden.

„Mehr Anreiz statt Zwang“

In seiner Eröffnungsrede sicherte Bareiß zu, sich weiterhin für die Förderung von Brennwert- und Hybridtechnik stark zu machen. „Mehr Anreiz statt Zwang“ ist die Devise, für die er sich auch künftig in der Berliner Politik einsetzen will. Die bestehende steuerliche Förderung zur Modernisierung von Gebäuden ist laut Bareiß ordnungsrechtlichen Zwangsmaßnahmen vorzuziehen, da nur so die Akzeptanz der Bevölkerung gewährleistet sei. Es sei wichtig, auch die Antragstellung, wie beispielsweise für das Marktanreizprogramm (MAP), zu vereinfachen. Es reiche nicht, rund 11 Milliarden Euro an Fördergeldern zur Verfügung zu stellen, sondern die Politik müsse die Formalia der Programme auch so gestalten, dass sie von den Bürgern einfach genutzt werden können. Ein weiteres Thema, dem die Politik noch mehr Aufmerksamkeit schenken muss, sind nach Aussage von Thomas Bareiß die flüssigen synthetischen Brennstoffe. Diese lösen zwar großes Interesse bei der deutschen Politik aus, hätten aber auch Potenzial, noch stärker unterstützt zu werden.

Neue flüssige Brennstoffe


Alternative Kraft- und Brennstoffe, wie beispielsweise die sogenannten E-Fuels, sind Thema diverser Studien im letzten Jahr gewesen, die im Anschluss an den Eröffnungsvortrag von Dr. Ernst-Moritz Bellingen, Leiter Energiepolitik beim IWO, und Dirk Arne Kuhrt, Geschäftsführer Wärmemarkt bei UNITI, zusammengefasst und erläutert wurden. Der höchst informative Überblick über eine Großzahl an Untersuchungen rund um die Themen Wärmewende, neue flüssige Brennstoffe und Transformation des Energiesystems, zeigte im Ergebnis, dass die Klimaschutzziele auf verschiedenen Wegen erreicht werden können. Unabdingbar sind dabei aber ganzheitliche Strategien und internationale Zusammenarbeit. Außerdem müssen die angestrebten Lösungen sowohl als Geschäftsmodell für Unternehmer als auch für den Verbraucher attraktiv sein, um Akzeptanz zu erfahren. 

Auch in dem Vortrag von Dr. Tim Böltken, Geschäftsführer der Ineratec GmbH, ging es um die synthetischen flüssigen Energieträger und wie es gelingen kann, Power-to-X-Lösungen zu schaffen, die sich regional und auf kleinem Raum erzeugen lassen. In den von Ineratec entwickelten Containern werden erneuerbare Kohlenwasserstoffe in einer kompakten chemischen Anlage aus Kohlendioxid und Wasserstoff hergestellt. Diese Kompaktanlagen können schnell und einfach installiert und bei Bedarf auch kombiniert werden, um die Produktion erneuerbarer Kraftstoffe zu steigern. In den zwei Jahren seit Gründung der Firma konnten bereits mehrere Pilotanlagen in Europa in Betrieb genommen werden. Ziel für 2019 ist es, dann auch eine Anlage in Deutschland aufzubauen. 

Nur gemeinsam können Ziele erreicht werden


Die erste Podiumsdiskussion am Vormittag wurde von Martin Bentele, Geschäftsführer Deutscher Energieholz- und Pellet-Verband (DEPV), Jörg Debus, Vorstandsvorsitzender IWO und Director Trading  Supply Shell, Manfred Greis, Präsident der Deutschen Heizungsindustrie (BDH), Dr. Martin Sabel, Geschäftsführer Bundesverband Wärmepumpe (BWP), Christian Stolte, dena, und Udo Weber, Vorsitzender der UNITI, geführt. Thema war die integrierte Energiewende, wobei sich rasch zeigte, dass sich die Vertreter der Verbände nicht als Gegner verstehen, sondern dass die Herausforderungen der Energiewende nur gemeinsam zu bewältigen sind. Christian Stolte betonte, dass die Zusammenarbeit, wie das Beispiel geea zeigt, bereits gut funktioniert und dass die vorgelegten Studien nun in Maßnahmenpakete und in gemeinsamen Brancheninitiativen umgesetzt werden müssen. Manfred Greis unterstrich, dass dabei nicht die einzelnen Energieträger in Konkurrenz zueinander stehen. Vielmehr müssten zur Auflösung des Modernisierungsstaus alle Technologien zum Einsatz kommen. Nur so könne ein Wandel im Gebäudebestand umgesetzt werden. Dafür gab es von allen Teilnehmern Applaus. Auch Jörg Debus bekräftigte diese Argumentation, in dem er darauf hinwies, dass nur die Steigerung der Effizienz und der Abbau des Verbrauchs von Energie die integrierte Energiewende möglich machen wird.

Digitalisierung im Wärmemarkt

Der zweite große Block des HEAT-Kongresses stand dann ganz unter dem Zeichen Digitalisierung. Es gab Vorträge von Thomas Pilar, Director Viessmann Wärme, und von Andreas Müller, Geschäftsführer Technik beim Zentralverband Sanitär Heizung Klima (ZVSHK), die jeweils einen Einblick in die Herausforderungen der Digitalisierung im Wärmemarkt gaben. Auf sehr anschauliche Weise wurde in den beiden Vorträgen deutlich, dass vom weltweit agierenden Konzern bis zum einzelnen Heizungsbauer niemand mehr an der Digitalisierung vorbei kommt. Die einzelnen Lösungsansätze – von einer eigenen digitalen Firmen-Unit bis zur Nutzung von smarten Systemen zur Heizungswartung – können zwar ganz unterschiedlich sein, eine Integration von digitalen Abläufen und Steuerungen sei aber insgesamt unvermeidbar. Grund dafür ist vor allem, dass der Verbraucher von mittlerweile jedem Lebensbereich eine gewisse Vernetzung der einzelnen Anwendungsgebiete, wie auch eine Steuerbarkeit seiner eigenen Haustechnik erwartet. Hier besteht für den Standort Deutschland die Herausforderung, dieses Feld nicht den internationalen Global Playern zu überlassen, sondern die Nähe zum Kunden zu nutzen, um so eigene Strategien und Produkte zu entwickeln. Nur so könnten praxisnahe Lösungen entstehen, die einen Mehrwert für die Gerätehersteller, das Handwerk, den Handel und die Verbraucher haben.

Podiumsdiskussion mit Vertretern der Politik

In der zweiten Podiumsdiskussion diskutierten Dirk Arne Kuhrt, Geschäftsführer UNITI, und Adrian Willig, Geschäftsführer des IWO, mit den Bundestagsabgeordneten Prof. Dr. Martin Neumann (FDP), Dr. Julia Verlinden (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) und Bernd Westpahl (SPD), wie die Klimaziele im Wärmemarkt erreicht werden können. Auch in dieser lebhaften Runde wurde erneut deutlich, dass das Erreichen nur in einem internationalen Kontext gelingen kann. Dr. Julia Verlinden wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass Deutschland längst von anderen europäischen Partnern überholt wurde. Sie sprach sich daher dafür aus, die Förderung für die Nutzung erneuerbarer Energien in Gebäuden auszubauen und die für fossile Energie einzustellen. Prof. Dr. Martin Neumann konterte, dass nur Technologieoffenheit zu Lösungen führen kann, die zum einen Energie- und Heizkosten im Griff halten und zum anderen die Akzeptanz beim Bürger schaffen. 

Insgesamt war der alle zwei Jahre gemeinsam vom IWO und dem Bundesverband mittelständischer Mineralölunternehmen (UNITI) ausgerichtete HEAT-Kongress geprägt von vielfältigen Ansätzen und Ideen zu der Frage, wie wir die Klimaziele in Deutschland erreichen können.