Berliner Energietage 2020: Weichen für Future Fuels stellen

Diskutierten digital: Andreas Rimkus (SPD), Simon Jastrzab (IWO), Dr. Christoph Ploß (CDU) und Adrian Willig (IWO). Foto: IWO

CO2-reduzierte Kraft- und Brennstoffe können, neben Effizienzsteigerungen und dem Ausbau der inländischen Ökostrom-Erzeugung, eine wichtige Säule der Energiewende werden. „Mit Future Fuels Klimaschutz tanken“ hieß daher die diesjährige IWO-Veranstaltung im Rahmen der Berliner Energietage. Corona-bedingt wurde am 9. Juni 2020 virtuell diskutiert.

Wie kommen die Future Fuels in den Markt?

Als Referenten bezogen die Bundestagsabgeordneten Dr. Christoph Ploß (CDU) und Andreas Rimkus (SPD), sowie Dr. Marcel Goelden (Advisor to the CEO bei der Raffinerie Heide GmbH), Dr. Thomas Schwarz (Leiter Politik Berlin bei der Audi AG) und Christian Halper (Projektleiter Modellvorhaben beim IWO) rund um die Future Fuels Stellung. Rund 200 Teilnehmende folgten den Ausführungen und brachten zum Teil auch Fragen mit ein. Dabei zeigte sich: Die politischen Rahmenbedingungen rücken immer stärker in den Fokus der Diskussion.

Das betonte auch Moderator Simon Jastrzab (Leiter Ingenieurteam, IWO), der dabei auch auf die gerade beschlossene Natinale Wasserstoffstrategie verwies: „Wie kommen wir dahin, dass Wasserstoff und seine Folgeprodukte in den notwendigen Mengen in den einzelnen Sektoren zur Verfügung stehen?“ Denn daran, dass solche Future Fuels künftig von großer Bedeutung sein werden, gab es seitens der Referenten so gut wie keine Zweifel.

Klimaschutz als Exportschlager

„Wir werden die Klimaziele nicht allein mit E-Autos erreichen und brauchen auch Investitionen in Wasserstoff und synthetische Kraftstoffe“, meinte etwa Dr. Christoph Ploß, der unter anderem auch auf die wirtschaftlichen Chancen verwies, die sich zum Beispiel durch einen globalen Markt für Power-to-X (PtX) ergeben würden: „Klimaschutz könnte so zum Exportschlager werden."

Auch Andreas Rimkus griff diese Aspekte in seinem Beitrag auf. „PtX bietet positive soziale und wirtschaftliche Perspektiven.“ Zudem könnten CO2-arme Kraftstoffe Klimaschutz beim Einsatz in bestehenden Technologien ermöglichen. „So lange Verbrenner auf den Straßen sind, und das wird noch lang so sein, brauchen wir E-Fuels“, meinte Rimkus. Wasserstoff und PtX könnten zudem auch im Gebäudebestand helfen.

Reduktion der Energiesteuer

Dr. Marcel Goelden berichtete in seinem anschließenden Vortrag vom Reallabor Westküste 100, einem branchenübergreifenden Projekt in Schleswig-Holstein, an dem die Rafinierie Heide beteiligt ist. Dabei zeigte er auf, wie zum Beispiel synthetisches Kerosin für die Luftfahrt erzeugt werden kann. „Die regulatorischen Rahmenbedingungen sollten verbessert werden“, betonte Dr. Goelden dabei ausdrücklich.

Einen Blick auf den Straßen- bzw. Pkw-Verkehr der Zukunft warf Dr. Thomas Schwarz. Er verdeutlichte, dass es dabei künftig voraussichtlich ein Nebeneinander von Anwendungstechnologien geben werde. „Um die Klimaziele für das Jahr 2030 im Verkehr zu erreichen, benötigen wir neben E-Mobilität auch erneuerbare Fuels.“, so Dr. Schwarz. Für deren verstärkten Einsatz sei unter anderem eine Reduktion der Energiesteuer für umweltschonende Kraftstoffe nötig.

Investitionssicherheit nötig

Christian Halper zeigte auf, wie auch heute ölbeheizte Gebäude eine klimaneutrale Perspektive erhalten können: „Mit mehr Effizienz, etwa durch eine Heizungsmodernisierung beziehungsweise Dämmung, und den Einsatz von Hybridtechnik kann der Brennstoffbedarf deutlich gesenkt werden. Der Restbedarf könnte durch CO2-arme Brennstoffe, zum Beispiel fortschrittliche Biofuels und künftig auch Power-to-Liquid (PtL) gedeckt werden.“

Zum Abschluss der Veranstaltung griff IWO-Geschäftsführer Adrian Willig noch einmal die Notwendigkeit auf, passende Rahmenbedingungen für den Markthochlauf CO2-armer Kraft- und Brennstoffe zu schaffen. Für den Start biete der Pkw-Verkehr gute Möglichkeiten. Danach könnten die Future Fuels dann in weiteren Bereichen zum Einsatz kommen:„Mit der Wasserstoffstrategie ist bereits ein Anfang gemacht, allerdings gibt es noch mehr zu tun, um etwa auch PtX und fortschrittliche Biofuels in den Pkw-Verkehr zu bringen. Hier sollten die Weichen nun richtig gestellt werden, um für Investitionssicherheit zu sorgen.“